Isabella Kohlhuber
ANKÜNDIGUNGEN
Einzelausstellung

TRAKLHAUS, SALZBURG
»IT'S WET OUT THERE«

14. 8. – 3. 10. 2020, Waagplatz 1A, A-5020 Salzburg
Eröffnung: Donnerstag, 13. August 2020, 19 Uhr
Künstlergespräch und Katalogpräsentation: 3.10.2020, 19 Uhr

buchstabenfest 2019 Ihre Werke sind körperliche Momente in Sprache und Zeit. Für die Ausstellung im Traklhaus Studio formuliert Isabella Kohlhuber ein installatives Setting, das auf die gegenwärtige (Anti-)Körperlichkeit der Gesellschaft antwortet. Die neueste Arbeit „Soup/ Soap/ Dope“ sind schwarze Seifen-Objekte, deren vermeintlicher Gebrauchswert zwischen unvereinbaren Bedeutungen flirrt. Ihre Inhaltsstoffe – Asche, Erde, Sand – reflektieren auf Reinlichkeits- und Wertvorstellungen, auf Vergänglichkeit. Die Tusche-Zeichnungen „o.T (Linien)“, die sie seit 2012 wie analoge Programme ausführt, sind als Aufzeichnungen oder Niederschrift körperlicher Bewegung in der Zeit lesbar. „Typogramme“ nennt die Künstlerin Überlagerungen verfremdeter Schriftzeichen zu Bildern, deren mehrere ein begriffliches Feld aufspannen. Autonom und zugleich in Kommentarfunktion zur Ausstellung verweisen die gezeigten Werke auf das Gegensatzpaar der heutigen Gesellschaft schlechthin: Quantifizierung und Vereinzelung.
(Bild: Zahlen | Enden, 2020)
Gruppenausstellung

ZOLLAMT BAD RADKERSBURG
»BUCHSTABENFEST / PRAZNIK ČRK /ALPHABET DAY«

24. 5. – 1. 9. 2019, ZOLLAMT, A-8490 Bad Radkersburg
Eröffnung: Freitag 24. Mai 2019, 15 Uhr

buchstabenfest 2019 KünstlerInnen: Arts of the Working Class (Maria Ines Plaza Lazo, Pauł Sochacki, Alina Kolar), Harald Anderle, Helene Baur, Joachim Baur, Isabel Belherdis, Tassilo Blittersdorff, Bazon Brock, Nadežda Čačinovič, Christian Egger, Heidulf Gerngross, Michael Hakimi, Karmen Jančar, Elfriede Jelinek, Peter Kogler, Isabella Kohlhuber, Susanne Kompast, Nicole Malbec, Mara Mattuschka, Thomas Metzner, Jeni Noltcheva, Elisabeth Penker, Jörg Piringer, Gerhard Rühm, Mirjana Rukavina, Hari Schütz, Emilia Smokova, Magda Tothova, Astrid Wagner, Peter Weibel, Franz West. Kuratiert von Helene und Joachim Baur
Einzelausstellung

Bluerider art gallery, taipei (Taiwan)
»isabella kohlhuber: untitled«

8. 12. 2018 – 31. 1. 2019, Bluerider Art, 9F & 10F, 25-1, Sec. 4 Ren'ai Rd., Da'an Dist., Taipei, TWN
Eröffnung: 8. Dezember 2018
> Bluerider Art Gallery

Isabella Kohlhuber – Untitled»Isabella Kohlhuber views artworks as vessels of communication, and explains that the works in this exhibition are about 'understanding understanding'. The differing process between reading an image versus reading text is laid bare through works that play with the spatial arrangement of letters. The linearity of script versus the simultaneity of images marks the difference in the cognitive process of understanding the two, as seen in the series 'Typograms', in which letter-like shapes are layered to create new images. This is the artist's first exhibition in Asia.« (ocula magazine)

> Review: The Outsider (English)
> Review: Art Emperor (Chinese)
Gruppenausstellung

FREIRAUM Q21 MUSEUMSQUARTIER WIEN
»UNDER PRESSURE – Über Formen des Autoritären und die Macht der Entscheidung.«

28. 9. – 25. 11. 2018, Di–So 13–20 Uhr, frei_raum Q21 exhibition space/ MuseumsQuartier Wien
Eröffnung: Donnerstag 27. September 2018, 19 Uhr
> Freiraum Q21 Museumsquartier

under pressure»Das Zustandekommen von Mehrheiten für autoritär agierende PolitikerInnen, ein offensichtlich autoritär agierender Finanzmarkt sowie autoritäre Tendenzen in  der KI-Entwicklung führen zu der Frage, ob neue Formen des Autoritären sich dadurch unter-scheiden, dass sie individuelle Freiheiten erlauben oder zumin-dest diesen Eindruck vermitteln. Die Ausstellung, kuratiert von Sabine Winkler, untersucht, welche Mechanismen, Strategien und Taktiken bei der Einschränkung von Entscheidungsfreiheiten zum Einsatz kommen.«
KünstlerInnen: Rod Dickinson (GBR), İnci Eviner (TUR), HARD-CORE (NLD, FRA, ISL), Minna Henriksson (FIN), Bernd Hopfengärtner & Ludwig Zeller (GER), Vladan Joler (SHARE Lab)(SRB), Isabella Kohlhuber (AUT), Stéphanie Lagarde (FRA), Liz Magic Laser (USA),Daniela Ortiz (PER/ESP), Olivia Plender (GBR), Sebastian Schmieg (GER), Stefanie Schroeder (GER), Superflux (IND/GBR, GBR), Nick Thurston & Steven Zultanski (GBR, USA), Pinar Yoldas (TUR/USA). Kuratiert von Sabine Winkler
Gruppenausstellung

W&K – Palais Schönborn-Batthyány
»Temporary 2018«

18. – 24. 11. 2018, 13–18 Uhr, Palais Schönborn-Batthyány, Renngasse 4, 1010 Wien
Eröffnung: 17. November 2018, 18–21 Uhr

temporary 2018Nadine Kraus-Drasche & Laurence Yansouni
cordially invite you on Saturday, November 17th
for Temporary 2018 opening from 6-9pm
Artists: Melanie Ebenhoch, Gregor Eldarb, Flora Hauser, Siggi Hofer, Isabella Kohlhuber, Fritz Panzer, Florian Pfaffenberger.
A temporary gallery of contemporary art. Curated by Herwig Kempinger
A fundraising initiative to support the 2019 exhibition program of the Vienna Secession.

> www.cs-solutions.org
Buchpräsentation

ISABELLA KOHLHUBER: HTB

4. April 2018, 19 Uhr, Grazer Kunstverein
9. Mai 2018, 18 Uhr, Kunsthalle Exnergasse, Wien

buchpräsentation grazer kunstverein»Die erste Monografie der österreichischen Künstlerin Isabella Kohlhuber versammelt Arbeiten aus dem Zeitraum von 2011 bis 2017 anhand zahlreicher Collagen, Zeichnungen, Objekte, Bilder, Installationen und Videostills. Ihre transmedialen Werke durchqueren die Sprache der Begriffe ebenso wie die Worte des Alltags, vor allem aber die narrative Welt der Zeichen und der Schrift, geleitet von einem wachen Sprachbewusstsein, das in der Tradition der österreichischen Moderne verankert ist und kritisch über sie hinausreicht. Bildkorpus, Auswahl und Layout sind Teil des bildnerischen Werks und werden begleitet von einem analytischen Text der Künstlerin selbst, einer literarischen Kurzform von Victoria Dejaco und einem vertiefenden Essay von Dirck Möllmann.«

> Verlag für moderne Kunst
Gruppenausstellung

KUNSTHALLE EXNERGASSE
»IS IT LANGUAGE THAT THEY'RE AFTER (KEINE*R ANTWORTETE)«

Eröffnung: 11. April 2018, 19 Uhr (bis 26. Mai 2018)
> Kunsthalle Exnergasse, Wien

»Die Gruppenausstellung Is it language that they’re after? (keine*r antwortete.) widmet sich den seit dem zwanzigsten Jahrhundert entwickelten Mischformen, die sich an den Rändern der Literatur und bildenden Kunst herausgebildet haben, und untersucht jene vor dem Hintergrund des Internets bzw. dessen Tendenz, das Sagbare zu reduzieren, die Sprache selbst zu verbildlichen und sie zugleich redundant werden zu lassen. (…)« Kuratiert von Christian Egger
Gruppenausstellung

PAVELHAUS & Galerija Vodnikove domačije Šiška, Ljubljana
»INSIDE SEMIOSIS«

31. 8. – 1. 10. 2017 Galerija Vodnikove domačije Šiška, Ljubljana
20. 10. 2017 – 3. 3. 2018, Pavelhaus, Bad Radkersburg
> press release Ljubljana (English)

»Die Ausstellung zeigt bildnerische Positionen, die sich mit schriftsprachlichen Ausdrucksformen auseinandersetzen. Literarische Topoi, Verfahrenstechniken, die dem Zufall Raum geben, die Form des Buches, E-Mail-Verkehr, Markennamen, dada-Texte, Luftgewehrschüsse, sowie die Laute von Textverarbeitungsmaschinen sind Phänomene, die von den KünstlerInnen untersucht werden. Auf die eine oder andere Weise spielen sie alle mit Arbitrarität. (…)« Kuratiert von David Kranzelbinder
Gruppenausstellung

GRAZER KUNSTVEREIN
»WINTER 2017«

Eröffnung: Donnerstag, 7. Dezember 2017, 19 Uhr
8. 12. 2017 – 18. 2. 2018
> Grazer Kunstverein

»Von der Notwendigkeit der Kunst von Ernst Fischer war das Leitmotiv des saisonal organisierten, künstlerischen Programms des Grazer Kunstvereins im Jahr 2017. Fischer, ein Autor, Politiker und engagierter Antifaschist, glaubte, dass die Kunst im Besitz des Schlüssels sei, mit dessen Hilfe wir die Welt um uns herum wahrnehmen, verstehen und schließlich verändern können. (…)«

Gruppenausstellung

SALZBURGER KUNSTVEREIN
»Reinheit in der unvollkommenheit«

Eröffnung: Donnerstag, 7. Dezember 2017, 20 Uhr
8. 12. 2017 – 4. 2. 2018
> Salzburger Kunstverein / Reinheit in der Unvollkommenheit

Reinheit in der UnvollkommenheitDie Jahresausstellung der Mitglieder des Salzburger Kunstvereins wird heuer am Tag vor Maria Empfängnis eröffnet. Der Titel „Reinheit in der Unvollkommenheit“ bezieht sich assoziativ und offen auf diesen Tag im katholischen Kalender und lädt die Künstler_innen ein, zu überlegen, wie Fragen der Reinheit, der Unreinheit, der Perfektion und Imperfektion in ihren Arbeiten eine Rolle spielen.
Gruppenausstellung

Werkstadt Graz / Galerie Grazy / Graz Kunst / Kleiderwerk
»*Demontage*«

1.12.2017 – 13.1.2018, Werkstadt Graz, Sporgasse 20, 8010 Graz
Eröffnung: 30.11.2017, 19 Uhr
> Werkstadt Graz

*demontage*»Arrivierte, vergessene, junge, alte, unbekannte, nationale wie internationale KünstlerInnen arbeiten seit vielen Jahrzehnten an der an allen Ecken und Enden stattfindenden *DEMONTAGE*: Alfredo BARSUGLIA, Joachim BAUR, BEUYS / BLUME / NÄGELI, Helena BIERMANN-ANGEL, Anna Maria BRENNER, Kati BRUDER, William CONTINO, Ida-Marie CORELL, Barbara B.EDLINGER, Astrid ESSLINGER, Iris DOSTAL, Andrea FIAN, Karin FRANK, Seiichi FURUYA, Rainer GANAHL, Max GANSBERGER, G.R.A.M., Florian GRUBER, Robert GRUBER, Barbara HAFNER, Peter Gerwin HOFFMANN, Werner HOFMEISTER, Shirley IRONS, Mari ISHIKAWA, Anna JERMOLAEWA, Natia KALANDADZE, Karl KARNER, Isabella KOHLHUBER, Alois KRENN, Andreas LEIKAUF, Felix LINDNER, Herbert MURAUER, Katherina OLSCHBAUR, PLANK & POSCHAUKO, Alfred RESCH, Rita SAMMER, Elisabeth SCHAFZAHL, Leo SCHATZL, Nana SCHULZ, Josef SCHÜTZENHÖFER, Marina STIEGLER, Ingeborg STROBL, Edgar SORGO, Josef TAUCHER, Lea TITZ, Ernst TRAWÖGER, Timm ULRICHS, Walter VOPAVA, Peter WEIBEL, Klaus D.ZIMMER, Otto ZITKO, u.a.m.«
Gruppenausstellung

GALERIE RAUM MIT LICHT, Wien
»TYPE PLEASE«

Im Rahmen von Curated_By Vienna (»Image Reads Text«), kuratiert von Sabine Folie
15. 9. – 14. 10. 2017
> Galerie Raum mit Licht, Wien

»Die Ausstellung findet im Rahmen von curated by_vienna: ›image/reads/text. Sprache in der zeitgenössischen Kunst‹ statt. 2017 sind 21 Wiener Galerien am Projekt beteiligt. In Zusammenarbeit mit internationalen Kuratorinnen und Kuratoren konzipieren sie Ausstellungen, die unterschiedliche Perspektiven auf das Thema eröffnen.«
> Curated_By Vienna
> Curated_By E-Book »Image Reads Text«
Einzelpräsentation

VIENNA CONTEMPORARY – BOOTH GALLERIA DORIS GHETTA

21. – 24. 9. 2017,  Karl-Marx-Halle, 1030 Wien
Eröffnung 20. 9. 2017, 17–21 Uhr
> Galleria Doris Ghetta

»Doris Ghetta zeigt auf der Vienna Contemporary eine Solopräsentation der Wiener Künstlerin Isabella Kohlhuber (geboren 1982 in Bad Ischl, lebt und arbeitet in Wien). Kohlhuber beschäftigt sich in ihrer Kunst mit der Welt von Begriffen und Worten, aber vor allem mit einer Welt von Zeichen und Schrift. Diese setzt sie in Form von Objekten, Collagen, Zeichnungen und neuerdings auch Malereien um. Dabei werden Sprache und Zeichensysteme bei Isabella Kohlhuber stets mit räumlicher, physischer und sinnlicher Wahrnehmung verknüpft, und in den umgebenden Raum und Kontext eingebettet.«

> Text von Sabine Gamper
> Vienna Contemporary
AUSGEWÄHLTE WERKE

THE SUBSTANCE OF VALUE | 2017

Buchleinen, Karl Marx: Das Kapital, Lasercut
One Work Gallery, Wien (solo), 7. 3. – 27. 3. 2017
frei_raum Q21 MuseumsQuartier Wien, Under Pressure,  28. 9. – 25. 11. 2018

The Substance of Value – MQ Wien
> One Work Gallery
> Freiraum Q21 Museumsquartier

NO NO NO | 2016

Klebefolie, Styrodur, Lack, LED-Licht, Bewegungssensoren, Micro-Controller
Artistic Bokeh, MuseumsQuartier Wien, 7. 10. – 10. 11. 2016

Fotos: Georg Petermichl (2-5)

Das schwarze Glasfenster des Schauraums Artistic Bokeh im Wiener Museumsquartier wird zu einer veränderbaren Schnittstelle. Isabella Kohlhuber setzt interaktive Geräte ein, um die Schwelle von Funktion und Dysfunktion in den Sprachen von Mensch und Maschine aufzuzeigen. Kohlhuber verwendet Klebefolien, die auf dem Fenster befestigt werden und Buchstabenformen ihres Zeichensystems "Bastards". Bewegungssensoren veranlassen die Betrachter unwillkürlich, deren Sichtbarkeit zu aktivieren oder zu deaktivieren. Die Botschaft entzieht sich dadurch zeitweise der Wahrnehmbarkeit. "No No No" öffnet eine konzeptionelle Lücke zwischen dem Schaufenster und seinem minimalen Inhalt, während es sanft zwischen Elementen der Negation ("no") und Aktivierung ("on") wechselt. Beabsichtigt die Künstlerin, die heutige Notwendigkeit einer affirmativen, gefälligen Sprache gegen einen inneren, stillen Widerstand auszuspielen? Und verstärkt die Wiederholung, wie im Titel gegeben, eine Geste der Verweigerung? Beim Versuch der Dekontextualisierung fragt die Künstlerin: "Kann es jemals keinen Kontext geben?"

> Mz* Baltazar's Laboratory
> press-release (en)

AUS DEM GESETZ | 2016

Dampfbremsfolie, Lasercut, §76 UrhG, Stahlrohr, 100 × 1600 cm, Dimensionen variabel
Künstlerhaus Graz, Sighs Trapped by Liars – Sprache in der Kunst, 12. 3. – 29. 5. 2016
Bluerider Art Gallery Taipei, Isabella Kohlhuber – Untitled, 8. 12. 2018 – 31. 1. 2019

Fotos: Markus Krottendorfer (1, 3, 5, 6) im Künstlerhaus Graz

»Isabella Kohlhubers neu produzierter Bodenarbeit Aus dem Gesetz aus Dampfbremsfolie liegt eine Passage aus dem österreichischen Urheberrechtsgesetz über die Schutzrechte an Schallträgern zugrunde. Die Folie, die eigentlich dafür verwendet wird, das Aufsteigen von Feuchtigkeit aus dem Erdreich zu verhindern, in Kombination mit einem überalterten Gesetzestext, der in der von der Künstlerin in ihrer entwickelten Schrift Bastard aus dieser Folie geschnitten wurde, zeigt die Wirkungsmächte von Sprache in ihrer ganzen Abhängigkeit von Kontext und Konvention.«
Text: Christian Egger (aus dem Heft zur Ausstellung)

> Künstlerhaus Graz: Sighs Trapped by Liars
> Presse-Mitteilung deutsch (pdf) / > press release english (pdf)
> Künstlergespräch 21. 4. 2016

Was gezeigt werden kann | 2016

Polystyrol, Dispersion, 325 x 27 x 10 cm
Künstlerhaus Graz, Sighs Trapped by Liars – Sprache in der Kunst, 12. 3. – 29. 5. 2016
Bluerider Art Gallery Taipei, Isabella Kohlhuber – Untitled, 8. 12. 2018 – 31. 1. 2019

Was gezeigt werden kann

SPACE FOR AN AGREEMENT | 2016

Polystyrol, Polyurethan, Lack, C-Prints auf Aluminium
Galleria Doris Ghetta Temporary Space, Milano (IT), 16. 3. – 8. 4. 2016
Galleria Doris Ghetta, Ortisei (IT), Abstract Now, 20. 5. – 10. 7. 2016
Grazer Kunstverein, Frühling/Spring 2017– Winter 2017/18, 10. 3. 2017 – 18. 2. 2018

»Für die Temporary Gallery, Via Ventura 6, in Mailand konzipierte Isabella Kohlhuber eine raumgreifende Arbeit mit dem Titel space for an agreement. Vier Objekte bilden eine Sitzgruppe mit Tisch, Bank und zwei Hockern. Ihre besondere Form basiert auf der Schrift Bastards, ein von der Künstlerin entworfener Font, in dem Buchstabenteile zu neuen Buchstaben verschmelzen. Diese Verräumlichung der Zeichen selbst nähert sie den Dingen an und schließt ein Stück weit die Lücke zwischen der abstrakten Welt der Sprache und der Dingwelt. Außerdem werden Typogramme gezeigt, die mehrere Bastard-Buchstaben übereinander abbilden.
Isabella Kohlhuber vermag es, sich in ihrer konsistenten Formensprache auf spezifische Situationen einzulassen. Sie analysiert in ihren Arbeiten konventionelle Systeme wie Schrift und Sprache, die dem Verhältnis zwischen dem Ding und seiner Repräsentation gelten. Ihr Bastard-Alphabet stellt einer fixen Konvention veränderbare Zeichen gegenüber. Sprache wird als ein offener Entwicklungsprozess repräsentiert, der im herkömmlichen Alphabet nicht abgebildet werden kann.«
Text: Victoria Dejaco

> Galleria Doris Ghetta
> Pressetext Temporary Gallery Milano
> press-release Abstract Now (en)

SIGNIFICANT OTHER | 2015/16

Ausstellungskonzept und Katalog-Gestaltung: Isabella Kohlhuber und Imre Nagy
Korea Kulturhaus, Donaupark Wien, 25. 9. 2015 – 31. 3. 2016

KünstlerInnen:
Steffi Alte, Belén, Sunah Choi, Benjamin Hirte, Isabella Kohlhuber, Roland Kollnitz, Axel Koschier, Christoph Meier, Imre Nagy, Bernhard Rasinger, Andreas Perkmann Berger

Fotos: Severin Dostal (Bild 1), Gregor Titze (Bilder 2–11), © die KünstlerInnen

Elf Interventionen nahmen Bezug auf den architektonischen Kontext des Korea Kulturhauses im Donaupark. Das Gebäude aus dem Jahr 1964 – anlässlich der Wiener Internationalen Gartenschau als Seerestaurant errichtet – bietet mit seinem historischen Bestand aus der Wiener Moderne in Kombination mit Betonelementen der koreanischen Architektur Raum für künstlerische Auseinandersetzung. Nach unterschiedlicher Zwischennutzung, etwa als Disco oder Fitnessclub, war es schließlich von der koreanischen Gemeinschaft in Wien als kulturelles Zentrum etabliert worden. Der Park mit seinem Wegesystem, seinen Plattformen und dem Donauturm sowie die Skyline der UNO-City bieten vielfältige Bezugspunkte für Kunst im öffentlichen Raum. Die als Ausstellungsgelände angelegte Landschaftsarchitektur wurde mit Significant Other zum Ort für zeitgenössische Skulptur.

Das Projekt wurde gefördert von KÖR Wien, BKA, der Stadt Wien und dem Bezirk Donaustadt und realisiert in Kooperation mit dem Korea Kulturhaus Wien.

> Katalog zur Ausstellung (KÖR Wien)
> Kunst im öffentlichen Raum Wien
> Kooperationspartner Korea Kulturhaus

O. T. (SPERRFLÄCHE) | 2015

Bodenmarkierungsfarbe auf Travertin-Imitat, 2 x 3,6 m
Korea Kulturhaus, Donaupark Wien, Significant Other, 25. 9. 2015 – 31. 3. 2016

Fotos: Gregor Titze

Die Intervention o. T. (Sperrfläche) wurde im Rahmen der Austellung Significant Other auf dem Gelände des Korea Kulturhauses realisiert. Sie ist eine Bodenmarkierung im Bereich des Zugangs zur Terrasse, welche auf die Formensprache der Straßenverkehrsordnung Bezug nimmt.
»In ihrem subtilen Heraustreten aus der Befangenheit der Umstände und damit der Unsichtbarkeit zeigt sie [die Sperrfläche] die Ubiquität von Anweisungen, denen wir im städtischen Raum kontinuierlich ausgesetzt sind. Sie unterläuft deren Verbindlichkeit durch geschickte Manipulation der Betonplatten und stört damit das Muster der Vorschrift. Wem Buchstaben als graphische Formen und Muster erscheinen, der oder dem geht vielleicht der sie in Dienst stellende Text verloren, dafür öffnet sich aber der Freiraum jenseits von Konventionen.« (Reiner Zettl, Auszug aus Oops, in: Significant Other, 2017)


> Kunst im öffentlichen Raum Wien

YOU GOT ME REALLY INTERESTED | 2015

Collage, 16-Bogen-Plakat, Offsetdruck
Öffentlicher Raum Salzburg, Franz-Josef-Straße, Kunstlitfaßsäule, 5. – 28. 8. 2015

»Das Erforschen und Sichtbarmachen (meta)sprachlicher und räumlicher Strukturen steht im Zentrum von Isabella Kohlhubers künstlerischer Praxis. Das Konzept Litfaßsäule, als konkreter Ausgangspunkt, wird sowohl als sprachlicher Werbe-, als auch Handlungsträger im öffentlichen Raum wahrgenommen. Abstrahiert werden geschulte Lese- und Wahrnehmungsmuster. Das öffentliche kollektive Schriftbild wird verstanden als Collage aus Zusammengefügtem, Vergessenem, Gestrichenem. Inhalte verdeckend und offen legend stellen ihre Plakatierungen die Frage, wer denn Macht über welches Wissen besitze? Welchen Informationen können wir uns nicht entziehen? Was wird wem bewusst entzogen? Kohlhubers ›Plakate‹ bewegen sich zwischen Schrift und Bild, fliessen vom Plakativen ins Konkrete. Sie verhandeln dabei etwas Unkonkretes, Unbewusstes: unsere beiläufige Wahrnehmung im öffentlichen Raum.«
Text: Markus Wait

> Stadt Salzburg Pressemitteilung

B+057 UND B+038–B+057 | 2015

Collage 70 x 110 cm, Animation/ Projektion 16 min 30 sec, loop
wellwellwell, Wien, 58 weasels in a trenchcoat (die Güte), 31. 1. – 21. 2. 2015

> wellwellwell

INCLUSION/ EXTRACTION | 2015

Klebefolie auf Asphalt
Memphis Linz, Immutable Mobiles, kuratiert von Axel Stockburger, 13. 05. – 28. 05. 2015
(Abbildungen 3 und 4 mit Werken von Brishty Alam, Claude Closky und Nikolaus Gansterer)

> Memphis Linz/ Immutable Mobiles

THE STUDIO | 2014

Holz, Karton, Klebefolie, Schaumstoff, Metall- und Kunststoffteile, Kreide, 100 x 90 x 60 cm
Österreichisches Kulturforum Istanbul (TUR), From Inner to Outer Shadows, 13. 11. 2014 – 19. 2. 2015

Fotos: faksimile/ Birgit & Peter Kainz

»Studio ist ein multifunktionales Objekt, das als Arbeitstisch, Archiv, Display, Marketenderwagen und Transportkiste die materiellen Determinanten von Produktion und Präsentation reflektiert.«
Michael Wonnerth-Magnusson


Ein Wagenobjekt mit ausziehbarem Griff, integrierten Laden und einer Halterung für Rollen präsentiert sich als mobiler Arbeitsplatz: Es bietet sowohl Stauraum als auch zwei Tischflächen, auf denen Material, Werkzeuge und Werkfragmente modellhaft eine Art Prozesskette bilden. Eine frei herabhängende Schnur und eine anscheinend übrig gebliebene Leiste, offene Bohrlöcher und lose Scharniere zeugen von zahlreichen Adaptionen am Objekt. Das Objekt Studio zeichnet ein Bild künstlerischer Produktion als eines vielfältigen und sensiblen Prozesses, der ständigen Fluktuationen unterliegt. Es thematisiert gesellschaftliche Wunschvorstellungen vom KünstlerInnen-Leben und beschreibt Kunst als eine Arbeit, deren Wert, deren Rahmenbedingungen und Erfüllungskriterien ständiger Neudefinition unterliegen.

> Transmediale Kunst
> österreichisches Kulturforum / Bmeia

ROOM TO MOVE | 2014

Dialogische Ausstellung mit Imre Nagy. 4 Objekte aus diversen Materialien
Korea Kulturhaus, Wien, 18. 11. – 18. 12. 2014

(Bild 2 und Bild 6 mit Objekten von Imre Nagy)

Die Ausstellung Room To Move fand 2014 im Innenraum des Korea Kulturhauses im Donaupark, 1220 Wien statt. Der spezielle Charakter des Hauses mit seinem historischen Bestand aus den 60er Jahren und konstruktivistischen Elementen aus der koreanischen Architektur hat Imre Nagy und Isabella Kohlhuber dazu inspiriert, die Multifunktionalität des zentral gelegenen Raumes aufzugreifen und diese in eine Installation zu übersetzen. Aus ihrem Dialog resultiert eine skulpturale Möblierung, die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten entspricht und teils auf den geschichtlichen Hintergrund des Gebäudes, teils auf Momente der Architektur Bezug nimmt.

UMFÄNGT DIE NACHT | 2014

Polystyrol, Lack, 24 x 10 x 240 cm
Galerie im Traklhaus, Salzburg, Der späte Trakl, 19. 9. – 8. 11. 2014

Das Objekt Umfängt die Nacht, 2014 nimmt auf Georg Trakls Gedicht Grodek (1914) Bezug, indem eine Zeile daraus mit dem Zeichensystems Bastards visuell und materiell interpretiert wurde.

> Galerie im Traklhaus

PROTOTAPE| 2013

Dampfbremsfolie, PVC-Rollen, Lasercut, 10 cm x 20 m, Dimensionen variabel
Ve:sch, Wien, Desire Creates Distance, kuratiert von Ursula Maria Probst, 23. 4. 2013

Prototape besteht aus einem 20 m langen, 10 cm breiten Streifen Dampfbremsfolie und aus einer Übersetzung von Isaac Newtons erstem Gesetz der Bewegung (Sir Isaac Newton: Philosophiae Naturalis Principia Mathematica, 1687), die in der Schrift Bastards Stencil aus dem Band geschnitten wurde. Der Streifen bildet zwei Rollen, deren Installation an ein Magnetband erinnert. Der Schreib-Lese-Kopf eines Kassettenrekorders oder Diktiergerätes wird hier durch die Decodierungsleistung der BetrachterInnen ersetzt.

> ve:sch | Verein für Raum und Form in der bildenden Kunst

HOCHWALD | 2012

Dampfbremsfolie, Lasercut, Stahl-Rohre, 20 x 1 m, Dimensionen variabel
Salzburger Kunstverein, Für die Fülle. Jahresausstellung 2013, 5. 12. 2013 – 26. 1. 2014

Fotos: Gregor Titze. Ort: Skulpturinstitut, Wien

Das Objekt Hochwald besteht aus Dampfbremsfolie (einem PVC-Material, das zur Isolierung von Fußböden verwendet wird – und zwei Stahl-Rohren. Mittels Lasercut wurden aus einer 20 m langen Folienbahn Segmente so herausgeschnitten, dass ein komplexes zusammenhängendes Geflecht stehen blieb, das als Text-Struktur erkennbar ist. Der Titel Hochwald bezieht sich auf eine Erzählung Adalbert Stifters (Der Hochwald, 1842/44), deren idyllischer Landschaftsbeschreibung die Ästhetik der Baufolie und der Schrift Bastards gegenüber gestellt wird.

FROM A DISTANCE IN TIME | 2012

Parkettboden geschliffen, ca. 30 qm
Lafin C’estmerde – Verein für interdisziplinäre Kunstproduktion und -rezeption, Wien,
25. – 26. 5. 2012 (Beteiligung im Verein und an mehreren Ausstellungen 2012/13, Bilder 4–9)

Die Installation From a Distance in Time schreibt einem Raum eine Diagonale ein. Durch Abtragung einer Holzschicht und partielle Renovierung eines alten Parkettbodens entstand in einem Jahrhundertwede-Wohnzimmer der Eindruck, als würde gleichsam archäologisch stellenweise ein neuer Boden unter dem alten freigelegt. Dadurch wurde auch eine zeitliche Dimension im Raum angesprochen.

Gegründet von den Künstlerinnen Verena Duerr, Isabella Kohlhuber, Suzie Léger, Evelyn Loschy und Katharina Swoboda, agierte die Vereinigung für interdisziplinäre Kunstproduktion und –rezeption, Lafin C'estmerde, als Vermittlerin zwischen zeitgenössischen Positionen weiblicher Kulturproduzentinnen und der Öffentlichkeit. Leerstehende Räumlichkeiten in Wien wurden temporär als Arbeitsmöglichkeiten und als Präsentationsplattformen für Ausstellungen, Performances, Konzerte und Lectures genützt. Das Atelier- und Vereinslokal in der Jörgerstraße 17 in Hernals entwicklete sich rasch zu einem Brennpunkt der Wiener Kulturszene. (alle Abbildungen zeigen Arbeiten von Isabella Kohlhuber)

> Hernalser Kulturtage

BASTARDS HALLWAY | 2012

Graphit auf Wand: 1 x 13 m. Animation/ Projektion: 5 min, loop.
Buchobjekt: Karton, Lasercut (Edition 5+1)
Hallway Gallery, Wien, 6. 6. – 6. 7. 2012

»Einen Text über eine Ausstellung zu schreiben, hängt mit unzähligen Entscheidungen zusammen. Es geht darum, etwas mit dem Publikum zu teilen. Dabei stellt sich natürlich bei jedem Satz die Frage, ob er Türen öffnet oder sich eher als Hindernis zwischen Betrachter und Werk stellt. Denn eine Idee zu fixieren, bedeutet immer auch, sie zu beschränken.
Isabella Kohlhubers Bastards ist eine Antwort für genau dieses Problem. Die Buchstaben des so bezeichneten Fonts stellen dem fixen System des Alphabets ein instabiles, kontinuierlich veränderbares gegenüber. Um sich Gedanken über Isabellas Gegenentwurf machen zu können, müssen erst einige Charakteristika des konventionellen Alphabets klar sein. Es besteht aus einer relativ kleinen Anzahl von Zeichen, die man kennt, seit man ein kleines Kind ist. Seit man gelernt hat, sie zu lesen, kann man sich darauf verlassen, sie lesen zu können. Dennoch ist auf das Alphabet eindeutig weniger Verlass als auf die Bilder. Ein Bild kann nicht mit einem Bild oder dem realen Gegenstand verwechselt werden, aber das Wort Ball, hat ohne Kontext zwei unterschiedliche Bedeutungen. Diese losen Bindungen, und unsicheren Vereinbarungen zwischen der Dingwelt und einem System, das sie repräsentiert, sind in Isabellas Font eindeutig erkennbar. Die Bastards bestehen aus Bögen, Stämmen, Ausläufen und Balken verschiedener Buchstaben. Diese Linien verschwimmen in der gezeigten Animation regelrecht ineinander.
In seiner Offenheit repräsentiert das Bastards-Alphabet Sprache genauer als das herkömmliche Alphabet. Denn die Alltagssprache ist ein sich ständig veränderndes, wachsendes Gebilde. Auch auf phonetischer Ebene lässt sich ähnliches feststellen: Im Sprechen gibt es keine Leere zwischen den Worten, alles verschmilzt zu einer Melodie. Der Font ist eher mit einer musikalischen Notation zu vergleichen, als mit einem Alphabet, aber er basiert auf Ähnlichkeit, nicht auf Repräsentation.«
Text: Victoria Dejaco

> hallwaygallery

O.T. (LINIEN) | 2012

Tusche auf Papier, je 100 x 140 cm
Lenikus-Studios, Wien, Still, 17. 5. – 27. 5. 2012 (mit einem Video-Tryptichon von Alexander Martinz)

»In Isabella Kohlhubers Zeichnungen sind die Vorgaben vielfältig: Das Blatt ist horizontal an der Wand montiert; der Körper der Künstlerin positioniert sich en face zu diesem ohne die Fixierung durch eine zweite, stützende Hand; die Linien werden durch eine einzige Körperbewegung ohne Unterbrechung von Links nach Rechts mit immer gleichen Abständen gezogen. Jeder „Fehler”, jede Unregelmäßigkeit wird dadurch in der nächsten Linie aufgenommen – denn die Abstände zwischen diesen sollten immer gleich bleiben – und so in die Formel integriert. Innerhalb dieses Regelwerks dringt dadurch das Lebendige: das Zittern der Hand, der mal kräftige, mal unsichere Stand, die Freude oder die Müdigkeit während der Entstehung zeigen sich als sich gegenseitig verstärkende visuelle Wellenbewegungen. Das so entstandene Bild wird zum vibrierenden Piktogramm der Geste der Einschreibung des Körpers der Künstlerin.«
Text (Auszug): Angela Akbari

> Sammlung Lenikus

CROSSWALK | 2012

Markierungsfarbe auf Asphalt, 40 x 1,3 m
permanente Installation im öffentlichen Raum, Passage Bauernmarkt – Wildpretmarkt, 1010 Wien

»Isabella Kohlhuber installiert einen Zebrastreifen im Durchgang vom Bauernmarkt 9 zum Wilpretmarkt 6. Ein Leitsystem zwischen zwei Orten. Dennoch kein Nicht-Ort, sondern spätestens seit Benjamins Passagen-Werk sichtbares Zeichen des Urbanen. Ein Gehen verkürzend, dem Gehenden vorbehalten. Für Benjamin ein Ort des Flaneurs, des Schauenden, des in sich Aufnehmenden und seit dem Plattencover Abbey Road von den Beatles ein lapidares Symbol für den Weg zum Studio. Isabella Kohlhuber untersucht die Qualitäten der jeweiligen, spezifischen Umgebung. Sie sieht Situationen und Kohärenzen und entdeckt dabei Ambivalenzen. Exakt in diesem sich eröffnenden Zwischenraum – des Ambivalenten im Kohärenten einer (räumlichen) Situation – ereignet sich sodann das entstehende Werk. Der Übergang zwischen Divergentem – zum Beispiel zwischen Straße und Gehweg – findet im Stadtbild ikonischen Ausdruck. Dieses Ikon nimmt die Installation Crosswalk auf und verbindet das Passieren mit der Einbettung in eine Umwertung der Situation. Die Anzeige der Sicherheit eines Übergangs wird zum irritierenden Moment – die Aufmerksamkeit wendet sich neu der Umgebung zu: Der Zebrastreifen durch die Passage am Bauernmarkt 9 / Wildpretmarkt 6 zeigt an, dass der/die Gehende eingeladen ist, die Situation erneut wahr zu nehmen und stehen zu bleiben. Die hier befindlichen Ausstellungsräume STUDIOS der Sammlung Lenikus laden ein, den Durchgang als einen Ort des Dialogs, des Experimentierens mit Wahrnehmungen, Handlungen und Gesten zu erfahren. Die Passage wird so zum Ort der Durchlässigkeit von Grenzen, der Entwicklung von Ideen, des Aufeinandertreffens von Divergentem. Der Crosswalk von Isabella Kohlhuber markiert dieses Potenzial.«
Text: Angela Akbari

> Sammlung Lenikus

PRIVATE TERMS, GENERAL CONDITIONS | 2012

Karton, Lasercut, 6 m x 60 cm
Künstlerhaus Passagegalerie, Wien, In Passing 13, 8. 12. 2011 – 8. 1. 2012

»Isabella Kohlhuber arbeitet mit Bildern und Texten, Objekten und Räumen, wobei die Grenzen meist fließend verlaufen. In ihrer Wandarbeit private terms, general conditions für die k/haus Passagegalerie untersucht sie die formalen Bedingungen von Kommunikation auf typografischer Ebene. Der von ihr entwickelte Font namens Bastards ist ein Experiment zur Bildhaftigkeit von Text und zur Lesbarkeit visueller Codes. Seine Charaktere sind Hybridformen zweier oder mehrerer Buchstaben des lateinischen Alphabets, die deren Stellen übernehmen, sodass Bedeutungen teils erst durch Entscheidungen der LeserInnen und durch deren Interpretation bestimmt werden. Für private terms, general conditions nutzt Isabella Kohlhuber die Passagegalerie als Schnittstelle zwischen Institution und öffentlichem Raum, um Fragen nach der Mitteilbarkeit künstlerischen Ausdrucks zu thematisieren.«
Text (Auszug): Ursula Maria Probst

> k/haus Wien – In Passing 13

SEITENWECHSEL | 2011

Aluminium eloxiert, LEDs, 210 x 140 x 8 cm
Haus der Bundesliga, 1130 Wien

Ein Leuchtkasten ähnlich einer Spielstandanzeige ist quer zur Fassade installiert, sodass er vom Gehsteig aus sichtbar ist. Es handelt sich um eine gestanzte und beleuchtete Platte (nicht um eine funktionierende LED-Anzeigetafel), die dauerhaft dasselbe Ergebnis angezeigt. Aus einer Richtung kommend liest man den Spielstand 1:0, aus der anderen 0:1. Das Ergebnis ist ein komplementärer Zustand, sowohl Sieg als auch Niederlage, abhängig von der Perspektive der Betrachter. Wie in jedem Spiel ein 1:0 für die eigene Mannschaft ein 0:1 für die andere ist und umgekehrt.

FERNE ROHR | 2011

Keramik, 6-Kanal-Audio-Installation
Heiligenkreuzerhof, Wien, Diplom-Ausstellung Transmediale Kunst, 22. – 30. 6. 2011
Künstlerhaus und Echoraum Wien, Klangmanifeste 2014, 3. – 14. 12. 2014
Galleria Doris Ghetta, Ortisei (IT), Encounters, 24. 7. – 20. 9. 2015

Die Idee zu Ferne Rohr entstand ausgehend von einem Zitat von Marcel Duchamp. Auf die Frage, worin der Unterschied zwischen Bildhauerei und Architektur besteht, soll er geantwortet haben: "Der Bildhauer muss sich nicht um die Verlegung der Abwasserrohre kümmern."
Ferne Rohr ist eine raumbezogene modulare Skulptur, welche aus 45 individuellen Teilstücken besteht. Diese wurden, bezugnehmend auf industriell hergestellte Kunststoff-Bauteile, von Hand aus Steingut angefertigt. In loser Steckverbindung bilden sie einen zusammenhängenden Corpus und einige Fragmente variabler Dimension, die in die barocke Umgebung des Heiligenkreuzerhofs integriert wurden. Das teilweise stehende, meist aber am Boden liegende Rohr schließt an Wände an, als würde es sich durch das Gebäude fortsetzen. Aus seinem Inneren ertönen systemimmanente Klänge, die im Rohr den Raum durchwandern. Die Immaterialität des Geräuschs steht der Dauerhaftigkeit des Keramik-Körpers gegenüber. Als eine ironische, reziproke Realisierung der Aussage Duchamps besetzt Ferne Rohr geradezu bildhaft die Schwelle zwischen Objekt und Installation.


Künstlerhaus Palais Thurn & Taxis Bregenz, Zur Zeit: Blossoms of a Multitude, 12. 3. – 25. 4. 2011

> Künstlerhaus Bregenz

FÜR DIE VÖGEL | 2010

Polyamidnetze, Porzellan, Lautsprecher, 5-Kanal-Audiokomposition
Gerisch Skulpruenpark, Neumünster (D), Video-Romanzen, 13. 5. – 16. 5. 2010

Ein im Freien installiertes Sampling macht ausgewählte Texte aus Naturwissenschaft, Philosophie, Kunsttheorie und Gebrauchsliteratur hörbar. Aussagen, die Jahrhunderte voneinander entfernt sind, werden als Gespräch gelesen. Sie bilden einen Diskursraum, geleitet von dem unerschütterlichen Willen der AutorInnen, die Welt zu beschreiben und die Naturgegenstände in ihrem Wesen zu erfassen um endlich die Frage zu beantworten: Was ist der Mensch? Doch die Positionen der AutorInnen und die Grenzen ihrer Aussagen werden durch einen radikal materiellen Gebrauch von Text bewusst verwischt. Ist Körper in Sprache erfahrbar und berührt unser Wissen die Natur?

> Gerisch Stiftung

DOUBLE NEGATION | 2010

Großformatfotografie, digitale Montage, C-Print
Offspace Spenglerei, Wien, Kollateral – zehn Positionen bildender Kunst, 18. 11. – 27. 11. 2010

Double Negation dokumentiert den Zustand des Ausstellungsraums zu einem Zeitpunkt als er noch als Atelier genutzt wurde. Im Raum befanden sich eine Menge Arbeitsmaterial und Werkzeug, einige verpackte Kunstwerke sowie zwei weiße Flächen mit schwarzem Rahmen und diagonalem Balken, die als Zugangsverbot oder als Symbol einer (doppelten) Verneinung gelesen werden können.

2000 CUSTOMERS | 2010

Nixie-Tubes, Bewegungssensor, Spiegel. In Zusammenarbeit mit Konrad Strutz
Offspace Spenglerei, Wien, Kollateral – zehn Positionen bildender Kunst, 18. 11. – 27. 11. 2010

»Im Eingangsbereich der Büroräume der ehemaligen Spenglerei befindet sich eine Portiersloge zur Trennung von Kundenverkehr und Verwaltungsbereich. Der Portier fungierte als Kontroll-Organ und Vermittler. Durch die Auflösung der Büroräumlichkeiten wurde dieses Einrichtungselement zu einem funktionslosen Relikt: Die ehemalige Trennwand steht frei im Raum, ist "umgänglich" geworden. Wir haben, ohne erneut eine räumliche Trennung aufzubauen, die Portiersloge wieder instand gesetzt, indem die Aufgabe des Portiers auf bloßes Zählen reduziert und durch Elektronik automatisiert wurde. Der zugehörige Zählapparat befindet sich im Portiersfenster, dem gegenüber ein Spiegel angebracht ist. Eine Lichtschranke löst beim Betreten des Raums ein Signal aus, welches das Zählwerk veranlasst, den Zählstand, beginnend bei 1999, um 1 zu reduzieren – der Zähler geht von einer bestimmten Erwartung aus. Da die Rückseite der Loge nun frei zugänglich ist, können Besucher den Platz hinter dem Fenster einnehmen, den Vorgang an anderen Besuchern beobachten und sich selbst dabei im Spiegel sehen.«
Text: Isabella Kohlhuber & Konrad Strutz

ORA & LABORA | 2010

Kristallzucker, Zuckerstreuer
Galerie F43, Prague, CZ, 2010

Galerie F43 hat einen ungewöhnlichen Standort: Ihre Adresse lautet Olšanske Hřbitovy (Olsany Friedhof), es handelt sich um eine Urnenbox. Die Worte Ora et Labora und das Datum der Vernissage wurden ohne Verwendung eines Fixiermittels aus Staubzucker gestreut und nach der Ausstellungsdauer von einem Monat wieder entfernt.

> Galerie F43 @ Action Galleries

DIGITAL FOOD | 200

4 digitale Skulpturen, C-Prints, je 10 x 12 cm
VSUP, Prag (CZ), Jahresausstellung der VSUP, Juli 2009

Die Bezeichnung Digital Food – gebräuchlich für digitale Informationen aller Art – wird hier wörtlich genommen: Bezugnehmend auf das Vokabular konventioneller Lebensmittelfotografie einerseits, der Stilllebenmalerei des 17. Jahrhunderts andererseits, thematisieren die kleinformatigen c-Prints die künstliche Veränderung der Natur mittels Gentechnik. Was üblicherweise als Fehler im Modelling betrachtet wird, vor allem die Intersektion der Geometrie dient hier als Strategie der Verfremdung: Die modellierten Früchtchen spalten sich in ein Selbst und ihren Klon.

VARIATIONS ON RECONSTRUCTION | 2009

7 Skulpturen aus Gips, je 35 x 50 cm
VSUP, Prag (CZ), Jahresausstellung der VSUP, Juli 2009

Für eine ortsspezifische Intervention wurde ein Stilelement einer barocken Fassade nachgebildet. Der Prozess der Reproduktion wird formal sichtbar und erzeugt eine Variation des Symbols. Auf diese Weise stellen die Objekte die Funktion, Lesbarkeit und Veränderbarkeit kultureller Sybmole in Frage.

CHICKEN/ROBOT | 2009/15

3D Animation, Projektion (Simulation, Animation, Rendering: Franz Schubert)
Galleria Doris Ghetta, Ortisei (IT), Encounters – Isabella Kohlhuber & Esther Stocker, 24. 7. –20. 9. 2015

Chicken/Robot ist eine Präzisions-Maschine, die das Verhalten eines blinden Huhns simuliert. Die Bewegungsmöglichkeiten des virtuellen Roboters sind festgelegt. Jene, die er tatsächlich ausführt sind zufallsgesteuert. Wann immer er einem Korn begegnet, verschwindet dieses (pickt er es auf oder löscht er es?). Auch die Verteilung der Körner ist durch Zufall bestimmt (Noise-Funktion). Der Erfolg seiner Methode ist also eine Frage der Zeit.

INTENTION/EXTENSION, FIG.3 | 2008

Mehl auf Dielenboden, ca. 35 qm
Universität für angewandte Kunst, Klasse Transmediale Kunst

Das begehbare Diagramm Intention/ Extension, Fig. 3 ist eine Skizze einer allgemeinen Struktur eines sprachlichen Ausdrucks. Es besteht ausschließlich aus Mehl und ist daher offen für Veränderung und Zerstörung bei Besichtigung. Sprache zu fixieren ist nicht die einzige Funktion der Schrift.

SCHULE VON ATHEN | 2007

Glas, Siebdruck, 12 Platten zu je 10 x 15 x 0,5 cm
Galerie im Trakl-Haus, Salzburg, Kunstankäufe des Landes Salzburg, 24. 4. 2009 – 30. 5. 2009

Dieses Glasobjekt ist eine Studie zu Raffaello Santis Gemälde Schule von Athen(1512, Hochrenaissance), in welchem der Künstler mit malerischen Mitteln Räume konstruiert und Möglichkeiten von Analyse und Synthese aufzeigt. Ein Schema seines Gemäldes wurde auf eine Glasplatte übertragen, welche anschließend in 12 Teile geschnitten wurde. So wurde die Information von der Fläche auf ein Objekt übertragen, an welchem sie bricht und neue Bildräume entstehen lässt. Für eine Ausstellungssituation können die Platten nach 4 unterschiedlichen Konfigurationen gestapelt werden.
PUBLIKATIONEN

ISABELLA KOHLHUBER: HTB | 2017

Monografie / Künstlerbuch, erschienen im Verlag für moderne Kunst
24 x 16,7 cm, 188 S., zahlreiche Abbildungen in Farbe, Deutsch/English
Texte: Victoria Dejaco, Dirck Möllmann
ISBN: 978-3-903153-60-8

»Die erste Monografie der österreichischen Künstlerin Isabella Kohlhuber versammelt Arbeiten aus dem Zeitraum von 2011 bis 2017 anhand zahlreicher Collagen, Zeichnungen, Objekte, Bilder, Installationen und Videostills. Ihre transmedialen Werke durchqueren die Sprache der Begriffe ebenso wie die Worte des Alltags, vor allem aber die narrative Welt der Zeichen und der Schrift, geleitet von einem wachen Sprachbewusstsein, das in der Tradition der österreichischen Moderne verankert ist und kritisch über sie hinausreicht. Bildkorpus, Auswahl und Layout sind Teil des bildnerischen Werks und werden begleitet von einem analytischen Text der Künstlerin selbst, einer literarischen Kurzform von Victoria Dejaco und einem vertiefenden Essay von Dirck Möllmann.«

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TEXTE

Angela Akbari
über »Crosswalk« | 2012

in: Beiheft zur Ausstellung Polarity and Resonance, Lenikus Studios, 2014


Isabella Kohlhuber installiert einen Zebrastreifen im Durchgang vom Bauernmarkt-9 zum Wildpretmarkt-6. Ein Leitsystem zwischen zwei Orten. Dennoch kein Nicht-Ort, sondern spätestens seit Benjamins Passagen-Werk sichtbares Zeichen des Urbanen. Ein Gehen verkürzend, dem Gehenden vorbehalten. Für Benjamin ein Ort des Flaneurs, des Schauenden, des in sich Aufnehmenden und seit dem Plattencover Abbey Road von den Beatles ein lapidares Symbol für den Weg zum Studio. Isabella Kohlhuber untersucht die Qualitäten der jeweiligen, spezifischen Umgebung. Sie sieht Situationen und Kohärenzen und entdeckt dabei Ambivalenzen. Exakt in diesem sich eröffnenden Zwischenraum – des Ambivalenten im Kohärenten einer (räumlichen) Situation – ereignet sich sodann das entstehende Werk. Der Übergang zwischen Divergentem – zum Beispiel zwischen Straße und Gehweg – findet im Stadtbild ikonischen Ausdruck. Dieses Ikon nimmt die Installation Crosswalk auf und verbindet das Passieren mit der Einbettung in eine Umwertung der Situation. Die Anzeige der Sicherheit eines Übergangs wird zum irritierenden Moment – die Aufmerksamkeit wendet sich neu der Umgebung zu: Der Zebrastreifen durch die Passage am Bauernmarkt-9 / Wildpretmarkt-6 zeigt an, dass der/die Gehende eingeladen ist, die Situation erneut wahr zu nehmen und stehen zu bleiben. Die hier befindlichen Ausstellungsräume STUDIOS der Sammlung Lenikus laden ein, den Durchgang als einen Ort des Dialogs, des Experimentierens mit Wahrnehmungen, Handlungen und Gesten zu erfahren. Die Passage wird so zum Ort der Durchlässigkeit von Grenzen, der Entwicklung von Ideen, des Aufeinandertreffens von Divergentem. Der Crosswalk von Isabella Kohlhuber markiert dieses Potenzial. 

Victoria Dejaco
»Die Situation in der Schleuse« | 2017

in: Isabella Kohlhuber: htb, Verlag für moderne Kunst, 2017


Das Haus hat zweiundneunzig Räume, alle Lagerflächen, Abstellräume und Speisekammern mitgerechnet. Kein Staubkorn in keinem noch so kleinsten Winkel. Die Härchen der Seidenteppiche alle in derselben Richtung. Die Hausangestellten tasten sich am Teppichrand entlang, den Rücken zur Wand und den Oberkörper nach vorn geneigt, um genügend Abstand zu den Gemälden zu bewahren. Es wird nicht gern gesehen, wenn Fingerabdrücke auf den Türklinken sind, oder die Armaturen der Waschbecken nicht in einer Linie mit den Wasserhähnen stehen. Morgens, noch bevor es in den Räumen geschäftig wird, spritzt die Kaffeemaschine des Küchenwandschranks frischen Espresso in die Tasse, die tags zuvor bereit gestellt wurde. Das Haus hat einen enormen Technikapparat. Die Sonnenblenden fahren herunter, wenn das Luxmeter einen gewissen Wert überschreitet und wieder hinauf, wenn die Windrädchen auf der Dachterrasse neben der Yogainsel zu viel Wind messen. Einige Beleuchtungskörper im Haus werden durch Bewegungsmelder ausgelöst. In anderen Fällen aktiviert sich eine Schreibtischlampe nur zusammen mit dem Raumlicht. Beleuchtung und Sonnenblenden des gesamten Hauses, innen und außen, bis zur Poolbeleuchtung, lassen sich vom Wirtschaftsraum aus steuern oder mobil von überall; beispielsweise gesamt auf "Atmosphäre" oder "Urlaub" umschalten. Für alle elektronischen und mechanischen Funktionen im Haus gibt es einen Technikraum, in dem jede Steckdose, jeder Schalter des Hauses einzeln angesteuert und vorprogrammiert wird. Es gibt einen Eingang für den Gärtner, der zugleich der Ausgang für den Müll ist. Es gibt einen Hintereingang für die Hausherren, einen zentralen, repräsentativen Eingang für Gäste, einen Garageneingang für die Autos, einen Eingang über die Garage für das Hauspersonal und mehrere Ausgänge zu Terrassen und Balkonen. Das Grundstück kann per pedes nach vorne zum Strand hin oder nach hinten in den Wald verlassen werden, seitlich separat mit dem Auto Richtung Stadt oder mit dem Fahrrad Richtung Wald zum See. Nur Besucherautos parken am Grundstück. Die zum Fuhrpark des Hauses gehörenden Autos haben einen mit Plakette versehenen Platz in der Garage. Die Hausangestellten schieben sich übervorsichtig an ihnen vorbei, um nicht mit einem Reißverschluss der Jacke bei unnötigem Schwung den Lack eines der Autos zu streifen. In der Schleuse, die von der Garage in das erste Büro führt und die eigentlich nur vom Hauspersonal zum Tausch der Straßenschuhe gegen Hausschuhe benutzt wird, befinden sich linkerhand zwei Lichtschalter: Nicht übliche, weiße, von unten nach oben und wieder nach unten klappende. Gläserne, hochformatige, mit Beschriftung in Helvetica, die sich unter den Fingern so anfühlen wie moderne Türklingeln. Jede hat einen Kontakt auf der linken Seite und einen auf der rechten. Hinter der kleinen Glasplatte des Schalters, der sich an der Seite zum Büro hin befindet, steht "Schleuse", auf dem anderen "Garage". Wenn die dazugehörige Beleuchtung aktiv ist, hat der jeweilige Schalter ein kleines, rotes Pünktchen, das man aus der Schräge vor ihm stehend kaum sehen kann und meist zum ersten Mal entdeckt, wenn man zufällig beim Schnürsenkel binden hochsieht. Drückt man auf "Garage"-links leuchtet die rückseitige Beleuchtung der Garage, bei erneutem Drücken erlischt sie wieder. "Garage"-rechts schaltet die gesamte Deckenbeleuchtung ein, bis hin zum Eingang für das Hauspersonal. Ein weiterer Klick und es ist wieder dunkel. Der Schalter mit dem Titel "Schleuse" reguliert nur das Licht in der Schleuse und scheint etwas einfacher programmiert. Links ein, rechts aus. Doch er hat eine heimtückische Doppelfunktion. Die Garage hat einen Bewegungsmelder. Das Garagentor, der Nebeneingang oder einer der Zugänge zum Haus gehen auf und die Beleuchtung geht an. Wenige Minuten später, nachdem der Ventilator für die Auspuffgase wieder verstummt ist, der automatisch aktiviert wird, wenn das Garagentor sich bewegt, taucht die Garage wieder in tiefes Schwarz. Die Türen sind aus Feuerschutzgründen alle dicht und wenn es im Winter früh dunkel wird, dringt kaum ein Licht durch die Ritzen des Garagentors. Wenn auf dem Schalter "Garage" eine der beiden Beleuchtungen aktiv ist und jemand versehentlich, um die Schleuse auszuschalten, die falsche Kombination auf dem Schalter "Schleuse" drückt, sodass bei "Schleuse" beide roten Lichtlein aufleuchten, ist die Beleuchtungssituation in der Garage fixiert und der Bewegungsmelder außer Kraft gesetzt bis der Schleuse-Schalter wieder deaktiviert wird. Dies ist keine große Unannehmlichkeit, wenn das Licht in der Garage an ist. Unmut gibt es nur, wenn die Beleuchtung in der Garage aus ist, und der Schleuse-Schalter jene Situation fixiert, sodass der Hausherr sich im Dunkeln aus seinem Auto und zur Tür tasten muss. Davor graut den Hausangestellten und manch einer ging schon vom Tor am Ende des Grundstücks wieder zurück, nur um noch einmal sicher zu gehen, dass bei Öffnen der Tür der Bewegungsmelder das Licht an macht.

Dirck Möllmann
»Bastarda Free (Explicit) – Meine Bilder sind Sprache« | 2017

in: Isabella Kohlhuber: htb, Verlag für moderne Kunst, 2017


Ihre Kunst migriert: Collagen, Zeichnungen, Objekte, Bilder, Bewegungsbilder durchqueren Sprache. Eine Welt der Begriffe ebenso wie der Worte des Alltags, vor allem aber eine Welt der Zeichen und der Schrift. Isabella Kohlhubers Werk offenbart ein Sprachbewusstsein, das in der Tradition der österreichischen Moderne verankert ist. Deren mitunter extreme, oftmals kritisch und politisch gewendete Sprachsensibilität in Literatur, Kunst und Architektur, die stilsicher balancierte zwischen theatralischem Wulst und hartnäckiger Fehde mit dem Ornament, entwickelte sich in Reaktion auf die „Habsburger Sprachfeindlichkeit (als Boden potentieller politischer Gefahr)“. Die Künstlerin geht mit ihrem Werk jedoch über die Tradition hinaus und fragt nach den Grundlagen dessen, was uns regiert, die Körper und die Worte. Sie wird dabei von einer doppelten Emanzipation geleitet, den linearen Code der Sprache, ihren vielgestaltigen Reichtum, ihre präzise Fassung und die ihr innewohnende Mehrdeutigkeit, bildlich zu begreifen sowie, vorsichtig gesagt, dem Wunsch nach einer gewissen Unabhängigkeit, um nicht so sehr – von Schrift und Sprache – regiert zu werden. Diese Form kultureller Migration ist weder Flucht noch weltfremd. Sie kommt aus der Sprache, fragt nach deren Wirklichkeit und lebt in der Kunst. Ein Satz Zum Beispiel: Ein logischer Satz mit innerem Klang an ungewöhnlicher Stelle im öffentlichen Raum platziert. Der Entwurf für eine künstlerische Intervention im Stadtraum, Expectation/Implementation, Fig. O (Entwurf 2016), schlägt für die nüchterne Alltagssituation einer Tram-Haltestelle und all ihren plastischen Details eine Bodenzeichnung mit verkehrsgerechter Markierungsfarbe vor. Eine Fotomontage umschreibt knapp die Situation der halboffenen Architektur mit ihren Verkehrswegen und zeigt eine durchbrochene ovale Linie von gleichem Umfang wie der Grundriss des kleinen Gebäudes, der jedoch um eine Winzigkeit verschoben und leicht nach rechts aus der Achse gedreht ist. Die offene Ellipse umschließt einen durchgängig gezogenen kleineren Kreis, drei Chiffren unterscheiden drei Bodenbereiche. Die drei Zeichen sind im Bastards-Font der Künstlerin gestaltet und fungieren als Variablen für Begriffe, die in einer zugehörigen Legende erklärt werden. Das Zeichen in kreisrunder Sperrlinie um die tragende Säule herum (eine Verbotslinie nach StVO) steht für Abgeschlossenheit (Unmöglichkeit), dasjenige innerhalb der unterbrochenen Leitlinie im Wartebereich (eine Übertretungserlaubnis in beide Richtungen nach StVO) heißt Erwartung, und die offene Umgebung des städtischen Raums außerhalb der Leitlinie wird Erfüllung genannt. Die Bodenzeichnung bietet eine begehbare Struktur in der Manier einer Notation für einen Aussagesatz an. Sie markiert einen physischen Raum und eröffnet einerseits anhand der Linien, die Fläche und Raum ein wenig auseinander schieben, einen Raum der Vorstellung. Wie ein Sprachspiel wird die Chiffre der Unmöglichkeit an einer unbetretbaren Stelle, die tragenden Säule, ins Spiel gebracht. Zugleich korrespondiert die Erwartung im Oval des Wartebereichs wechselseitig mit der Erfüllung im städtischen Raum, denn eine Leitlinie darf in beide Richtungen übertreten werden. Die räumliche Verschiebung durch die Bodenzeichnung öffnet so andererseits einen konkreten Handlungsraum, der keine Bedeutung vorgibt, sondern Veränderbarkeit als möglich veranschaulicht. Sie trifft damit keine Aussage über etwas, sondern zeigt wie Aussagen funktionieren. Ein Gedankengebäude wird mittels einer einfachen Satz-Struktur in der Wirklichkeit überprüft. Dieser bildnerische Akt stellt aber keine Regeln auf. Es ist an den Wahrnehmenden und Wartenden, im Bewusstsein der eigenen Position innerhalb des neu gewonnenen Eindrucks anders zu handeln. Der Entwurf für einen temporären quasi-logischen Satz im öffentlichen Raum ist bislang unausgeführt. Auslegung Wie lassen sich Regeln anwenden und zugleich individualisieren? Die Buchstaben des Gesetzes erscheinen autoritär und sind oft genug schwer verständlich. Insbesondere in der Rechtsprechung, deren performativer Sprechakt bindend ist, entsteht die Bedeutung eines Textes durch seine Auslegung, ähnlich erkennt ein Philosoph die Bedeutung eines Wortes im alltäglichen Gebrauch der Sprache und in der Kunst entscheidet der Kontext mit über die Bedeutung eines Textes (als Kunstwerk zum Beispiel). Mit anderen Worten, Bedeutung wird verhandelt. In Form einer Schriftrolle liegt Aus dem Gesetz (2016) flach auf dem Boden aus, aufgewickelt auf einen Stab. Selbstredend ist die Mutter aller Gesetzestexte die heilige Schriftrolle mit den fünf Büchern Mose; insbesondere die jüdische Tradition ist der unablässigen Auslegung der Tora verpflichtet. Die hier verwendete Textrolle ist aus Dampfbremsfolie gefertigt wie sie im Baugewerbe zur Isolierung eingesetzt wird. Der Text selbst gibt einen Paragraphen aus dem österreichischen Urheberrechtsgesetz wieder (§ 76, Abschnitt 2 über die Schutzrechte an Schallträgern) und ist im Internet frei verfügbar. Die Buchstaben wurden in die Bastards-Schrift übertragen und aller umgebende Folienstoff mit einem Laser auf insgesamt ca. 10 Metern Länge so weit entfernt, dass nur der unterschnittene Font in engen Zeilen stehenblieb. Der Text erscheint wie ein verdichtetes Geflecht, abstrakt wie eine Textur. Etwa sechs Meter blankes Material verbleibt auf den Stab gewickelt. Die Folie wird für Ausstellungszwecke nach Gutdünken partiell entrollt, ihr sichtbarer Teil verweist auf das aufgewickelte Ganze und wird zu einem Bild der Sprache in der Sprache. Der ursprüngliche Gesetzestext aus dem Jahr 1936 wurde mehrfach novelliert. Er schützt geistiges Eigentum, das als historisch gewachsener Begriff aus dem 18. Jahrhundert im Werk die Materialisierung der schöpferischen Individualität eines Autoren oder einer Autorin voraussetzt. Eigentum und Werkautonomie werden in der Urheberschaft verkoppelt, rechtlich fundiert und prinzipiell beherrschbar gemacht. Heutige digitale (Re-)Produktion und Distribution haben die Urheberschaft von Originalen jedoch erodieren lassen. Das Bodenobjekt reproduziert daher nicht einfach einen Gesetzesparagraphen als schmückendes Ornamentbild, sondern problematisiert in Form eines bildhaften Geflechts von Buchstabenzeichen die Bestimmung von Original und Kopie auf Grundlage des überkommenen Gesetzestextes und bringt die fragwürdig gewordene Annahme einer Autonomie des Werkes mit heutiger Produktionstechnologie zum Vorschein. Die Schrift wahrt eine Unverfügbarkeit durch die kaum lesbaren, eng verschobenen und räumlich verdichteten Zeilen. Im selben Zuge legt der Inhalt des Gesetzes aber auch die Wiederaneignung von Kunst als geistiges Eigentum offen zutage. Ohne ein Wort darüber zu verlieren, formuliert Aus dem Gesetz wie ein dialektisches Bild durch bloße Konstellation eine Kritik der Aneignung schöpferischer Produkte als geistiges Eigentum in Zeiten fließend gewordener Originalität. Familienbande Die Übergänge zwischen den Zeichen. mit anderen Worten, die formale Gestaltung des Rauschens der Schrift an ihren Rändern und in Zwischenräumen, sind an Isabella Kohlhubers Kunstfont Bastards ebenso faszinierend wie die letternartigen Zeichen selbst fasziniert zu sein scheinen von ihrer eigenen Körperlichkeit. So erkunden im Video B+0066 – B+0090 (2016) Lineatur und Volumen auf quasi autopoietische Weise die eigene Form und Lesbarkeit ihrer Teile durch Schwünge, Punzen, Striche, Scheitel, Arme, Beine, Bauch und Köpfe. Sie bilden Ligaturen und verschmelzen mit Satzzeichen zu unkonventionellen Gebilden. Die neuen Grapheme entstehen zunächst in Form einer Papiercollage und werden anschließend digitalisiert. Auch für das Video entstehen Collagen, die dann wie ein Trickfilm als Sequenzen von Einzelbildern in Bewegung versetzt werden. Die Bastards sind aufgebaut wie eine Familie, die sich erweitert und Elemente auch verlieren oder abgeben kann. Ihre Schrift umfasst kein vollständiges Alphabet und keine distinktiven Interpunktionszeichen, sondern trägt ihre Bestandteile, die wie Urelemente einer alphabetischen Ordnung wirken, frei zu mehrfach codierten Typen zusammen bis an die Grenze ihrer Entzifferbarkeit, vergleichbar einer expliziten Handschrift. Ob als dicht gestauchtes Installationsobjekt oder als meterlanger, mehrzeiliger Wandtext ob als animiertes Bild im Videotrickfilm oder als vielschichtig präparierte Collage, der delikate Schriftkörper der Bastards erfordert seine eigene Zeit dechiffrierender Lektüre, weil sie ihrem Publikum ohne bekannte Konvention gegenübertreten und wir uns auf ihre Bedeutung lernend verständigen müssen. Linien Flächengebilde mit horizontalen Linien schaffen ein ergänzendes Passstück zum Schriftkörper der Bastards. Jede dieser Linienzeichnungen, bezeichnet mit Ohne Titel (Linien), die in loser Folge seit 2012 in drei unterschiedlichen Formaten entstehen, soll wie eine Rechenfunktion ausgeübt werden: Bewege die Spitze deines Stiftes freihändig in geradem Zug von links nach rechts über das Papier und folge mit der nächsten Linie darunter von links nach rechts der oberen Linie in bestmöglicher Präzision. Die Zeichnungen entwickeln aus ihrem Einsatzpunkt so etwas wie eine Nulllinie, die sich in der Ausübung langsam und leise deformiert und im Nachvollzug mit einer Art Wellenbewegung das gesamte Blatt erfasst, denn natürlich gelingt der freien Hand keine Schnurgerade. Die materiale Mitschrift der Berührung stellt eine manuelle seismographische Äußerung dar. Der Abdruck macht die Linie auf explizite Weise zum Bild. Ein Bild durch ein Tun, das Punkt für Punkt, Moment für Moment im Wortsinne gezeichnet und aufgezeichnet wird. Die Bildhandlung erzeugt dabei ein Dokument von Abweichungen, einer Abweichung im Sinne eines frei gewählten Nicht-Könnens. Erst im Unvermögen zeigt sich die Spur des Wirklichen in der Zeit. Es treten bildnerische Umstände hervor wie die Begrenzung der Länge jeder Linie durch die Reichweite des Armes. Es zeichnen sich aber auch andeutungsweise körperliche Zustände ab wie Balance, Konzentrationsfähigkeit, Erschöpfung und Entspannung durch Wiederholung. Der Produktionsprozess dieser Linienzeichnungen formuliert einen zeitgebundenen bildperformativen Akt. Jedes Blatt, jede Zeilenlinie entsteht wie ein unabgesetztes Schreiben, das in ihrem Verlauf vom Punkt zur Linie zur Fläche zur Wiederholung einen Ausschnitt im Fluss der Zeit markiert. Ein Bewegungszentrum – ähnlich dem Kirchturm von Combray, der in sich ruhend und von überall sichtbar, eine ganze Stadt, einen ganzen Landstrich mit seiner unnachahmlichen Ausstrahlung erfasst. Die Linien könnten ebenso als entrollte Handschrift oder als Entzeichnung von Buchstaben gelesen werden. Sie könnten weiters das Absolute der Linie verkörpern wie der gedanklich-experimentell ins Endlose verlängerte Gedankenstrich bei Kandinsky. Sie könnten zur Interpretation seelischer Stimmungen einladen oder als konzeptuelle Geste einer Overall-Struktur angesprochen werden. Mit jeder ihrer Linien aber, schlägt Isabella Kohlhuber eine Kerbe in das historische Paradigma einer Bildautonomie, die sich über die Distanz zwischen Bild und Körper definiert. Der bildperformative Zug der Linie setzt sich körperlich dem Verfehlen der idealen Geraden aus und beschreibt damit ausdrücklich seine Heteronomie, den Einfluss des Wirklichen. Diese Linien sind Bild, sind Sprache und sagen immer wieder und auf scheinbar paradoxe Weise, indem sie tun, was sie verfehlen: Ich möchte nicht so sehr regiert werden – von der Herrschaft der Autonomie (denn, so könnte man erläuternd hinzufügen, sie trübt die Sprache des Alltags und der Körper). Pop-up Ähnlich im Geiste, aber formal völlig anders gelöst ist The Studio (2014). Auf den ersten Blick sieht alles ganz solide aus, dann wirkt es vor dem prüfenden Blick doch etwas klein geraten und nach und nach wird dieser Holzwagen in ausgeklapptem Zustand zu einem überaus fragilen Element, das für die beabsichtigte Tätigkeit, Kunst produzieren zu können, doch arg beengend ist. Die Tischplatte liegt wacklig auf einem nicht ausgespannten Holzbock, die beiden leichten Schwenkscharniere versprechen keine große Haltbarkeit. Schraubzwingen halten provisorisch eine hochgeklappte Lade, das Schubfach wird rasch klemmen und unter Zuglast den Tisch womöglich ruinieren. Leisten ohne Verbindungen, Bohrlöcher und lose Scharniere weisen auf mehrfache Überarbeitungen am Objekt hin. Manche Teile und Funktionselemente wurden noch nicht einmal verschraubt. Und dennoch, zusammen geschoben und fixiert ist das Werk zugleich seine eigene Verpackung und war als solches Ausstellungs- und Herstellungsobjekt bereits auf weiter Reise. Dieses „Pop-up“-Studio fungiert als Symbolbild künstlerischer Arbeitsverhältnisse, die kaum zu überwinden sind und eine solch weit gespannte Flexibilität und Kreativität erfordern, dass dem gewählten Beruf mitunter gar nicht mehr nachgekommen werden kann. Die materialen und materiellen Voraussetzungen des eigenen Tuns als Künstlerin erscheinen im Studio überaus prekär. ... Isabella Kohlhuber meidet die machtvollen Adern des Kunstdiskurses, insbesondere die Revierkämpfe um Originalität und Autonomie, und macht den Bedingungshorizont der Bilder und der Sprache zu ihrem Thema. Ihre Arbeiten bleiben im körperlichen Sinne konkret als räumliche, visuelle, haptische und kinetische Werke, die Veränderbarkeit (be-)greifbar werden lassen. Diese Kunst zeigt keine Utopie auf, sie ist keine Dichtung, kein Bericht, keine Statistik, keine Erzählung, kein Konzeptualismus. Der bildperformative Akt übersetzt stattdessen die materiale Seite der Sprache, ihre Signifikanz, in eine Bewegung des Bildes (durch graphische Animation) und in Bewegungen im Bild (durch den Zug der Zeichnung), aber auch als Resultat von Verschiebung und Verdichtung (in der Typographie und mit Bodenmarkierungsfarbe). Ihre Werke leiten auf die primäre Ebene des Verstehens über in ein Sprachbewusstsein von Materialien, Formen, Klängen, Farben und Temperaturen, der Handlung und des Unvermögens bevor die Bedeutung eines Artefakts aufleuchtet. Wir verbinden Zeichenelemente zu Sinneinheiten, lautlich mit Stimme und Atem und Mund und Ohr und schriftlich mit Auge und Hand, um zu kommunizieren. Diese Momente des zeitlichen Übergangs in Zeichen und Lauten und ihre Zwischenräume sind das künstlerische Material. Offene typographische Bildschriften und Zeichnungen (Schrift im Sinne einer Graphie) und Bilder machen sich auf diese Weise ein wenig unabhängiger von sukzessiver Rede und linearer Lektüre. Wenn wir hinschauen, also schauen, um begreifen zu wollen, entpuppen sich Isabella Kohlhubers Werke als vielschichtige Körper in Volumen, Ausdehnung und Präsenz, durchdrungen von erstaunlicher und feingliedriger Sinnlichkeit. Literatur Ausst.-Kat. Linien, Briefe, Notationen. Hrsg. v. Uwe Obier, Städtische Galerie Lüdenscheid 1987. Friedrich Achleitner: Wiener Architektur. Zwischen typologischem Fatalismus und semantischem Schlamassel. Wien Köln Weimar 1996. John Austin: Zur Theorie der Sprechakte (How to do things with Words), Stuttgart 2002. Heinrich Bosse: Autorschaft ist Werkherrschaft, München 2014. Horst Bredekamp: Theorie des Bildakts. Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2007, Berlin 2010. Gilles Deleuze, Félix Guattari: Anti-Ödipus, Frankfurt am Main, 1977. Wassily Kandinsky: „Über die Formfrage“, In: Ders., Essays über Kunst und Künstler, Bern 1955/19733. Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bd. 1: Unterwegs zu Swann. Frankfurt am Main 2011/20152. Georg Witte: „Die Phänomenalität der Linie“. In: Werner Busch, Oliver Jehle, Carolin Meister (Hg.). Randgänge der Zeichnung, München 2004, S. 29-54. Ludwig Wittgenstein: Philosophische Untersuchungen (1945). Frankfurt am Main 2003, S. 40.
BIOGRAFIE

ISABELLA KOHLHUBER

Isabella Kohlhuber, geb. 1982, lebt und arbeitet in Wien. Sie hat transmediale Kunst bei Brigitte Kowanz an der Universität für angewandte Kunst Wien studiert und war von 2013 bis 2019 dort als Lehrende tätig. Ihre Zeichnungen, Collagen, Skulpturen und medialen Installationen bewegen sich um Schrift und bildhafte oder auditive Sprachformen. Ihre Werke wurden im In- und Ausland ausgestellt und waren zuletzt im Rahmen des PAC-Festivalls Marseille (FR), in der Galleria Doris Ghetta (I) auf der Vienna Contemporary (AT), und in der Bluerider Art Gallery Taipei (TWN) zu sehen. Zahlreiche Installationen wurden temporär und permanent im öffentlichen Raum umgesetzt.


Studium


2006–11 | Transmediale Kunst (Brigitte Kowanz), Universität für angewandte Kunst Wien, Diplom 2011
2008–09 | Intermedia Art (Jiři David), VŠUP Prag
2004–06 | Malerei (Adolf Frohner), Universität für angewandte Kunst Wien
2001–04 | Grafik- und Kommunikationsdesign, die Graphische, Wien, Diplom 2004


Ausstellungen


2020
Isabella Kohlhuber – It's wet out there – Traklhaus, Salzburg (solo)
Du singulier au multiple – Galerie Charivari/Atelier Vis-a-Vis, Marseille (Gruppe)
Character Image Art – Art Granary, Beijing (Gruppe)

2019
Works on Paper – Galleria Doris Ghetta Ortisei (Gruppe)
High Five – Galleria Doris Ghetta Ortisei (Gruppe)
Buchstabenfest – Zollamt, Bad Radkersburg (Gruppe)
Ankäufe des Landes Salzburg – Traklhaus, Salzburg (Gruppe)

2018
Isabella Kohlhuber Untitled – Bluerider Art Gallery, Taipei (TWN) (solo)
Temporary 2018 – Palais Schönborn Batthyány, Wien (Gruppe)
Under Pressure – Freiraum Q21 Museumsquartier, Wien (Gruppe)
Buchstabenfest – Zollamt, Bad Radkersburg (Gruppe)
Is it language that they're after (keine*r antwortete) – Kunsthalle Exnergasse, Wien (Gruppe)

2017
Demontage/*Sternchen – Werkstadt Graz (Gruppe)
The Pleasure of Collecting – Galleria Doris Ghetta, Ortisei (IT) (Gruppe)
Jahresaustellung 2017
– Salzburger Kunstverein (Gruppe)
Winter 2017 – Grazer Kunstverein (Gruppe)
Nominierungen 2017 – Kardinal König Kunstfonds, St. Virgil Salzburg (Gruppe)
Inside Semiosis – Pavelhaus, Bad Radkersburg (Gruppe)
The Arbitrary Nature of Language– Galerija Vodnikove domacije Siska, Ljubljana (SLO)(Gruppe)
Type Please – Galerie Raum mit Licht. Curated By, kuratiert von Sabine Folie (Gruppe)
Herbst 2017 – Grazer Kunstverein (Gruppe)
Vienna Contemporary –
Booth Galleria Doris Ghetta (solo)
Zikadien –
Kunstraum haaaauch quer, Klagenfiurt (solo)
Sommer 2017
– Grazer Kunstverein (Gruppe)
Frühling 2017 –
Grazer Kunstverein (Gruppe)
The Substance of Value – 
One Work Gallery, Wien (solo)

2016
No No No – Artistic Bokeh, Museumsquartier Wien (solo)
Master Builders – 
Zieselrot, Schwechat (Gruppe)
Abstract Now
– Galleria Doris Ghetta, Ortisei (IT) (Gruppe)
Was gezeigt werden kann, kann nicht gesagt werden – Werkstadt Graz (solo)
Sighs Trapped by Liars. Sprache in der Kunst – Künstlerhaus Graz (Gruppe)
Space for an Agreement – Galleria Doris Ghetta, Temporary Gallery Milano (IT) (solo)

2015
Sharing Space – Alte Post, Wien (Gruppe)
Significant Other – Interventionen im Donaupark/ Korea Kulturhaus, Wien (Gruppe)
You Got Me Really Interested – Kunstlitfaßsäule, öffentlicher Raum Salzburg (solo)
Encounters: Isabella Kohlhuber & Esther Stocker – Galleria Doris Ghetta, Ortisei (IT) (duo)
Kohlhuber – Sigmund Freud Galerie, Graz (solo)
Immutable Mobiles – Memphis, Linz (Gruppe)
58 weasels in a trenchcoat (die Güte) – wellwellwell, Wien (Gruppe)
Buchstabenfest – Zollamt, Bad Radkersburg (Gruppe)

2014
Klangmanifeste 2014 – Künstlerhaus und Echoraum, Wien (Gruppe)
Room to Move. Isabella Kohlhuber und Imre Nagy – Korea Kulturhaus, Wien (duo)
From Inner To Outer Shadow – österreichisches Kulturforum Istanbul (TUR) (Gruppe)
Polarity and Resonance – Jahresausstellung der Sammlung Lenikus, Wien (Gruppe)
Der späte Trakl – Galerie im Traklhaus, Salzburg (Gruppe)

2013
Für die Fülle. Jahresausstellung 2013 – Salzburger Kunstverein (Gruppe)
Kunstgastgeber Gemeindebau 2013
– Kunst im öffentlichen Raum Wien (Gruppe)
Über Reason und Resonanz – LWZ Projekte, Wien (Gruppe)
Desire Creates Distance – Ve:sch, Wien (Gruppe)
Der Hundsturm bellt – Hundsturm, Wien (Gruppe)
Konzeption und Durchführung zahlreicher Veranstaltungen mit dem Verein Lafin C'estmerde, Wien

2012
Gründung der Kunstvereins Lafin C’estmerde, Wien
Humanimals – Baba Vasa's Cellar, Shabla (BG) (Gruppe)
Bastards – Hallway Gallery, Wien (solo)
Crosswalk – Intervention im öffentlichen Raum 1010 Wien/ Passage Bauernmarkt (solo)
Still – Lenikus Studios, Wien (duo)

2011
In Passing 13 – Künstlerhaus Wien Passagegalerie (duo)
Metamart. Kunst und Kapital – Künstlerhaus, Wien (Gruppe)
Kubatur des Kabinetts – Fluc, Wien (Gruppe)
Seitenwechsel – Skulptur im (halb-)öffentlichen Raum Wien/ Haus der Bundesliga, Wien XIII (solo)
Ferne Rohr – Diplomausstellung Transmediale Kunst, Heiligenkreuzerhof, Wien
Zur Zeit. Blossoms of A Multitude – Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis Bregenz (Gruppe)

2010
Kollateral – Offspace Spenglerei Wien XV. Monat der Fotografie 2010 (Gruppe)
Paramusikalisches Ensemble – Schloss Kittsee (solo)
Lorem Ipsum – Galerie F43, Prag (CZ) (solo)
Videoromanzen 2 – Gerisch Skulpturenpark, Neumünster (D) (Gruppe)
Schaust du noch oder gehst du schon – Flatfair Ennsgasse, Wien (Gruppe)

2009 und davor
We will do it – Galerie Ve Sklepe, Prag (CZ) (solo)
Kunstankäufe des Landes Salzburg 2007–2009 – Galerie im Traklhaus, Salzburg (Gruppe)
Habichte – Intervention öffentlicher Raum Wien (Gruppe)
Hier entsteht eine St.Charles Apothecary – Intervention im öffentlichen Raum Wien (Gruppe)
Hold The Line – The Essence 07, MAK Wien (Gruppe)
Transport – The Essence 06, MAK Wien (Gruppe)
Malstrom – Universität für angewandte Kunst Wien (Gruppe)
Die Kohlhubersche Typenlehre – Diplomausstellung Grafische, Albertina, Wien
Acryl auf Leinwand – Kommunalkredit, Wien (Gruppe)


Präsentationen / Vorträge / Talks


2018 | Buchpräsentation Isabella Kohlhuber: htb – Grazer Kunstverein, Graz
2018 | Artist-Talk und Buchpräsentation in der Ausstellung Is it language that they're after? – Kunsthalle Exnergasse, Wien
2017 | Präsentation des Künstlerheftes Room to Move – Salon für Kunstbuch 21er Haus, Wien
2016 | Artist-Talk im Rahmen der Ausstellung Sighs trapped by Liars – Künstlerhaus Graz


Preise / Stipendien / Ankäufe


2019 | Einzelprojekt-Förderung durch das Bundeskanzleramt Österreich
2018 | Ankauf des Landes Salzburg
2017 | Atelier-Stipendium des Landes Salzburg
2016 | Katalogförderung des Bundeskanzleramts Österreich, des Landes Salzburg, der Stadt Wien
2015 | Förderung des Ausstellungskonzepts Significant Other durch KÖR, BKA und Stadt Wien
2012 | Start-Stipendium des Bmukk
2011 | Atelier-Stipendium der Stiftung Lenikus
2011 | Erster Preis in der Bundesliga Art Challenge
2009 | Ankauf des Landes Salzburg
2007 | Leistungs-Stipendium der Universität für Angewandte Kunst Wien
2004 | IT-Papier Kreativ-Preis


Publikationen / Kataloge / Zeitschriften


2017 | Room to Move, Isabella Kohlhuber & Imre Nagy, Verlag Danny Grasow, Berlin 2017
2017 | Image Reads Texts. Sprache in der zeitgenössischen Kunst, ARGE österr. Galerien (Hrsg.)
2017 | Isabella Kohlhuber – htb. Werke 2011–2017, Verlag für moderne Kunst, Wien, 2017
2016 | Korpus, Ausgabe 28, Mai 2016
2016 | Significant Other, Isabella Kohlhuber und Imre Nagy (Hrsg.), Wien 2016
2014 | Prozess, Renate Mihatsch (Hrsg., Konzept, Design), S.9–14, 2014. http://renatemihatsch.com/files/Prozess.pdf
2014 | Polarity and Resonance, Sammlung Lenikus (Hrsg.), Wien 2014
2014 | Baba Vasa's Cellar, Lazar Lyutakov (Hrsg.)
2013 | Kunstgastgeber Gemeindebau 2013, KÖR– Kunst im öffentlichen Raum Wien (Hrsg.), Wien
2011 | Blossoms of a Multitude, Universität für angewandte Kunst Wien,Transmediale Kunst/Brigitte Kowanz (Hrsg.), Wien 2011
2011 | Bundesliga Artchallenge, BLM Marketing & Event Gesellschaft der österreichischen Fußballbundesliga mbH (Hrsg.), Wien 2011
2010 | Eyes On, Katalog zum Monat der Fotografie, Wien 2010
2009 | Ankäufe des Landes Salzburg 2007–2009, Salzburg 2009
2008 | Kapital K. A Classless Character, Onomatopee (Hrsg.), Eindhoven (NL) 2008


Print-Produktion / Grafik


2017 | Room to Move, Isabella Kohlhuber & Imre Nagy, Verlag Danny Grasow, Berlin 2017
2017 | Isabella Kohlhuber – htb. Werke 2011–2017, Verlag für moderne Kunst, Wien, 2017
2017 | Tropenoper, Imre Nagy (Hrsg.), Eigenverlag 2017
2017 | Rigid Frigid, Imre Nagy (Hrsg.), Eigenverlag 2017
2016 | Significant Other, Isabella Kohlhuber & Imre Nagy (Hrsg.), Wien 2016
2016 | Artist Lecture Series Vienna: Transcripts, Ezara Spangl and Rainer Spangl (Hrsg.), laufend
2014 | Blockbuster, Axel Stockburger (Autor, Hrsg.), Revolver Verlag, 2014
2014 | Crossing 5.01, Transmediale Kunst und Wiener Linien GmbH & Co KG (Hrsg.), Wien 2014
2014 | Verwall View, Transmediale Kunst und Arlberg Hospiz Hotel (Hrsg.), Wien 2014
2012 | Gizmo, Christian Mayer & Ida Marie Hede (Autoren, Hrsg.), Passagen Verlag, 2012
KONTAKT
Adresse

GALLERIA DORIS GHETTA
Pontives 8, 39046 Ortisei BZ, Italien
www.dorisghetta.com

BLUERIDER ART GALLERY
9F & 10F, 25-1, Sec. 4 Ren'ai Rd.
Da'an Dist., Taipei, Taiwan
www.blueriderart.com



IMPRESSUM


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